WISSENSCHAFTLICHES PROGRAMM 2015

Die wissenschaftlichen Programme werden im Laufe einer Mittelmeerumsegelung umgesetzt. Jedes Jahr steht die Untersuchung einer Region auf der Agenda. Zwischen 2010 und 2013 war Ziel der Überwachung die Ligurisch-Provenzalische Strömung in der französisch-italienischen Zone, unter Einbeziehung von Korsika. In 2014 wurden im gesamten westlichen Mittelmeer Proben genommen.
In 2015 haben wir unsere Probenahmen in der französisch-italienischen Zone des Ligurisch-Provenzalischen Beckens verstärkt.

Mikroplastik: Bewegungen, Verteilung

Partner: Maria Louiza Pedrotti und Gabriel Gorsky – (OOV – Villefranche-sur-Mer, CNRS) – Stéphane Bruzaud : Chimie – UBS Limat B Lorient.
Eine wiederholte Probenahme war an manchen Punkten notwendig, um die Entwicklung der Plastikmengen an der Wasseroberfläche zu überwachen, insbesondere im Ligurisch-Provenzalischen Becken. Eine detailliertere Probenahme wurde an der Südwestküste Italiens, in der Region Kalabriens, durchgeführt. Im offenen Meer wurden Probenahmen im Zentrum des Tyrrhenischen Meers und im Zentrum seines permanenten Strömungswirbels durchgeführt. Ziel ist es zu prüfen, ob es im offenen Meer ebenfalls Zonen gibt, in denen sich Mikroplastikpartikel ansammeln.

Mikroplastik:  Persistente organische Schadstoffe

Partner: Pascal Wong – Pierre Doumenq (Laboratoire Chimie Environnement – Université d’Aix – Marseille, CNRS)

Ziel der Untersuchung ist die Überprüfung, ob Mikroplastikpartikel die Fähigkeit besitzen, bestimmte chemische Schadstoffe, die in der Meeresumwelt vorkommen, zu adsorbieren und sie, wenn sie von Meereslebewesen aufgenommen werden, wieder freizugeben und damit eine Vergiftung der Letzteren herbeizuführen.

Die Probenahme von Mikroplastikpartikeln wird hier mit dem Ziel durchgeführt, die adsorbierten persistenten organischen Schadstoffe zu analysieren.

Insekten und Mikroplastik: Identifizierung und Einflüsse

Partner: J.L Brunet, Y. Perrin, (IRD de Montpellier), CIRAD : Bruno Michel, Henri-Pierre Aberlenc (Montpellier) – Muséum d’Histoire Naturelle : Cédric Audibert (Lyon)
Die Probenahmen mit dem sog. Manta-Trawl (engmaschiges, schwimmendes Schleppnetz) enthalten häufig eine Vielzahl an Insekten. Dieses Jahr galt es, diese Insekten getrennt zu erfassen, um sie taxonomisch einzuordnen. Darüber hinaus wurden Proben von Insekten im offenen Meer genommen sowie eine Untersuchung des gesammelten Plastikmülls nach Eiablagen von Insekten vorgenommen. Dies hatte zum Ziel, einen möglichen Einfluss von schwimmendem Mikroplastik auf das Leben von Insekten zu untersuchen.

Plastikabfälle in den Sedimenten
Bewegungen am Meeresgrund :

Partner: A. Murat, Y. Mear (Cnam INTECHMER – Cherbourg)
Es ist davon auszugehen, dass die Flüsse eine große Menge an Plastikmüll aus dem jeweiligen Einzugsgebiet mit sich führen. Einige Plastikteile schwimmen an der Oberfläche, andere wandern am Flussgrund, mit den Sedimenten. Erste Probenahmen wurden im Prodeltabereich der Rhône mit dem Ziel genommen, die maßgeblichen Faktoren für die Bewegungen von Mikroplastikpartikeln am Meeresgrund zu ermitteln. Diese Probenahmen können uns darüber Auskunft geben, ob an dieser Stelle Mikroplastik vorhanden ist und ob es aus der Rhône stammt.

Biofilm auf schwimmendem Plastikmüll:
Positiv oder negativ zu bewerten ?

Partner: Martine Bertrand : (Cnam INTECHMER – Cherbourg). Im Meerwasser befindliches Plastik wird zwangsläufig von Organismen besiedelt. Bakterien sind die ersten, die an das Plastik andocken, dann kommen die Algen, dann die Tiere. Je länger sich das Plastik im Wasser befindet, desto dicker wird der Biofilm. Die schwimmenden Plastikteile beherbergen damit verschiedene Arten, die mit dem Plastik abtreiben. Die schwimmenden Plastikteile, die 2015 von Expédition MED im Mittelmeer eingesammelt wurden, werden durch das Cnam-Intechmer-Institut auf ihre Biodiversität hin untersucht. Eine erste Studie auf der Grundlage von Probenahmen aus dem Jahr 2014 hat das Vorhandensein von Arten nachgewiesen, die in der Lage sind, sich an Extrembedingungen anzupassen, wie z.B. Bakterien, die typischerweise in einer durch Schwefel verunreinigten Umgebung vorkommen, oder Mikroalgen, die in der Lage sind, sich in Bereichen mit besonders starker Lichtintensität zu entwickeln. Die besiedelten Plastikteile werden demnach zu Miniflößen, was zu einer Verbreitung der beförderten Arten führen könnte. Besondere Aufmerksamkeit sollte hierbei invasiven sowie pathogenen Arten, also Krankheitserregern, geschenkt werden. Gleichzeitig haben wir die Hoffnung, eine oder mehrere Arten zu finden, die in der Lage sind, Plastik abzubauen!